Endlich den Zahnarzt-Befund verstehen – Dein Zahnärztisch-Crashkurs

Dr. Tina Draheim
|
5.4.2021

Das kannst du erfahren

Jeder von uns saß schon mal beim Zahnarzt und hat sich gefragt, was die kryptischen Zahlen-Buchstaben-Kombinationen bedeuten, die der Zahnarzt diktiert. Dabei würde jeder von uns gerne seinen Zahn-Befund verstehen! Die gute Nachricht: Zahnarzt-Sprache ist ganz einfach! Die Zahlenkombinationen sagen aus, welcher konkrete Zahn gemeint ist. Die Buchstaben im Zahnarzt-Befund folgen immer den Ziffern und sind Abkürzungen für die Zahnflächen und die Befunde, die am jeweiligen Zahn zu finden sind. In diesem Artikel gebe ich dir genauen Einblick in die Fachbegriffe, sodass du am Ende deinen Zahnarzt-Befund verstehen kannst!

Spielt mein Zahnarzt Schiffe versenken?

Du sitzt beim Zahnarzt. Herr (oder Frau) Doktor betritt das Zimmer: "Guten Morgen, heute wieder zur Kontrolle da?". Der Stuhl fährt nach hinten, die Scheinwerfer gehen an, der Mund auf und schon geht es los: "31 ob, 41 zst, 43 zst, 44 f, 45 k, 46 b, 47 k, 48 f". Du fragst dich, ob dein Zahnarzt gerade einen Schlaganfall hatte oder warum er plötzlich keine verständliche Sprache mehr spricht?! Aber spätestens als die Zahnarzthelferin auch noch sagt "War 42 ob oder zst?", weißt du: Die beiden spielen Schiffe versenken! Der Stuhl fährt wieder hoch. "Ok, jetzt bekomme ich meinen Befund aber mal erklärt!". Der Zahnarzt geht zur Tür und verabschiedet sich mit den Worten "Super geputzt, alles in Ordnung! Die Kollegin macht noch ein bisschen Zahnstein weg und wir sehen uns in einem halben Jahr". "Ähm, wie jetzt? Kann mir mal jemand meine Diagnose erklären? Ich würde auch gerne meinen Befund verstehen!".

Was reden wir Zahnärzte da eigentlich?

Keine Sorge, dein Zahnarzt spielt kein Schiffe versenken. Er verheimlicht dir auch keine Erkrankungen. Es geht alles mit rechten Dingen zu! Der Zahnarzt schaut sich dein gesamtes Gebiss an und diktiert seiner Assistenz den Befund von jedem einzelnen Zahn. Dabei wird nicht nur der Befund von erkrankten Zähnen notiert, sondern auch vermerkt, wenn ein Zahn gesund ist oder Zahnersatz trägt. Denn alle Informationen sind wichtig, um den Zustand bei der nächsten Kontrolle vergleichen zu können.

Zahnarzt-Sprache ist eigentlich ganz einfach. Glaubst du nicht? Probieren wir es aus! Nach diesem Artikel wirst du deinen Zahnarzt verstehen können!

Zahnarzt-Befund verstehen – Was bedeuten die Ziffern?

Wenn der Zahnarzt einen Befund ansagt, beginnt er immer mit der Bezeichnung des Zahnes. Dabei besteht jeder "Zahn-Name" aus zwei Ziffern.

Die erste Ziffer:

Das Gebiss wird in vier gleiche Teile eingeteilt, Quadranten genannt. Die Trennung erfolgt in der Mitte und zwischen Ober- und Unterkiefer. Rechts und Links wird immer aus Patientensicht gesehen.

👉 Oben rechts – 1. Quadrant

👉 Oben links – 2. Quadrant

👉 Unten links – 3. Quadrant

👉 Unten rechts – 4. Quadrant

Zahn-Modell mit eingezeichneten Quadranten

Achtung! Gehst du mit deinem Kind zum Zahnarzt oder plötzlich gibt es keine Quadranten 1 bis 4 mehr? Auch das ist richtig. Um Milchzähne von bleibenden Zähne unterscheiden zu können, haben die Milchzahn-Quadranten andere Bezifferungen.

👉 Milchzähne oben rechts – 5. Quadrant

👉 Milchzähne oben links – 6. Quadrant

👉 Milchzähne unten links – 7. Quadrant

👉 Milchzähne unten rechts – 8. Quadrant

Die zweite Ziffer:

Die zweite Ziffer bezeichnet die Position, die der Zahn in dem jeweiligen Quadranten hat. Dabei werden die Zähne von der Mitte aus nach hinten durchnummeriert. Ein Beispiel: Wir sind im rechten Oberkiefer, also im 1. Quadranten. Die erste Ziffer ist also eine 1. Der mittlere Schneidezahn ist der erste von der Mitte aus, also Zahn 11. Der Eckzahn ist der dritte von der Mitte aus, also Zahn 13. Der Weisheitszahn ist der 8. von der Mitte aus, also Zahn 18.

Bezifferung der Zähne im Oberkiefer
Bezifferung der Zähne im Unterkiefer

Jetzt kannst du schon die einzelnen Zähne benennen. Du hast das Zertifikat "Zahnarzt-Sprache: Grundkenntnisse" erreicht! Easy, oder?

Zahnarzt-Befund verstehen – Was bedeuten die Buchstaben?

Erst die Zahn-Position, dann der Zustand des Zahnes! Nachdem der Zahnarzt also zwei Ziffern genannt hat, folgt ein Buchstabe. Der Buchstabe ist eine Abkürzung für den Befund, den er am Zahn findet.

Die häufigsten Befunde:

Ein paar Beispiele? Kein Problem. Wenn dein Zahnarzt sagt "31 ob", kannst du dich freuen. Der untere linke mittlere Schneidezahn hat keinerlei Auffälligkeiten. Auch "48 f" ist eine gute Nachricht: Der Weisheitszahn fehlt, du musst dir also keine Gedanken mehr um eine Weisheitszahn-Entfernung machen. Wenn es "43 zst" heißt, wird die Zahnarzthelferin zum Reinigungs-Gerät greifen, denn der untere rechte Eckzahn hat Zahnstein.

Auch easy, oder? Jetzt kannst du auf jeden Fall schon mal "Zahnarzt-Sprache: fortgeschritten" in deinem Lebenslauf notieren.

Zahnarzt-Befund verstehen – Königsklasse Zahnflächen

Du willst alles verstehen und fließend "Zahnärztisch" sprechen? Dann müssen wir uns die Bezeichnungen der Zahnflächen vornehmen. Zahnflächen?! Du denkst jetzt vielleicht, dass man so einen kleinen Zahn doch gar nicht mehr genauer beschreiben kann. Da hast du dich getäuscht! Für Zahnärzte ist so ein Zahn ganz und gar nicht klein! Um sich da zurecht zu finden, brauchen sie schon eine etwas präzisere "Ortsbeschreibung". Dafür gibt es verschiedene Begriffe, um einzelne Flächen des Zahnes zu beschreiben. Hier die wichtigsten:

Zahnflächen im Zahnschema eingezeichnet

Die Flächen werden mit dem jeweiligen Anfangsbuchstaben abgekürzt. Wenn dein Zahnarzt also diktiert "46 c mod", dann brauchst du wohl eine große Karies-Behandlung. Denn der untere rechte erste Backenzahn hat Karies an der mesialen, okklusalen und distalen Fläche.

Herzlichen Glückwunsch! Du sprichst nun fließend "Zahnärztisch". 😁

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Dr. Tina Draheim
Ich bin Tina. Oralchirurgin und Oberärztin an der Uniklinik. Ich blogge über Medizin für den Alltag.
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